OPERA IN CONCORSO | Sezione Disegno

 | Die Zähmung einer Zentaurin

Die Zähmung einer Zentaurin
tusche, schellacktusche und acryl, feder und pinsel, bristolkarton
40x57cm

Holger Triltsch

nato/a a Staaken Near Berlin
residenza di lavoro/studio: Werder, GERMANY


iscritto/a dal 30 apr 2021

https://holger-triltsch.net


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Descrizione Opera / Biografia


”Mit „Die Zähmung einer Zentaurin“ fügt der Maler und Zeichner Holger Triltsch seinem aktuellen Zyklus „Mythologica“ ein weiteres Schlüsselwerk hinzu. Mit seiner individuellen Darstellung des Zentaur als Symbol und Archetyp für die Doppelnatur des Menschen - halb Tier, halb Mensch, ein Pferdeleib mit einem menschlichen Oberkörper – schafft Triltsch eine vielschichtig zu lesende Metapher.
Üblicherweise gilt der Zentaur als Bild für das Erspüren der tierischen Triebkräfte des Menschen, Zentauren stellen eine Verbindung von Geist, Vernunft und Trieb dar. In der psychoanalytischen Lesart kann das heißen: Der ungestüme Teil in uns Menschen darf nicht unterdrückt werden, sondern ist zu zügeln. Die Zähmung aller ungestümen Neigungen und wilden Triebe gilt somit als Voraussetzung für ein vernunftzentriertes Leben.
Traditionell werden Zentauren als Hybriden eines Kopfes, dem Rumpf und den Armen eines Mannes und dem Körper und den Beinen eines Pferdes dargestellt. Dementsprechend werden die Zentauren in der Mythologie als unbeherrschtes und lüsternes Volk bezeichnet und galten als die Unbezähmbaren bei den Griechen. Erst in der späthellenistischen Zeit brachte die zeitgenössische Kunst auch weibliche Zentauren hervor, die in krassem Widerspruch zum betont maskulinen Grundcharakter dieser wilden und auch als lüstern geschilderten Wesen stehen. In der Kunst der Spätantike kommen diese antiken Mischwesen nicht vor. Erst in der Romanik erleben sie eine Wiederauferstehung; sie symbolisieren das heidnisch Wilde, Ungezähmte und Sündige.
Hier beginnt Holger Triltsch mit seiner ganz eigenen Interpretation bei der Darstellung seiner Zentraur-Gestalt: Auch bei Triltsch ist der Zentaur (beziehungsweise Zentraurin ) eine Frauengestalt, die aber ebenso wild und lüstern erscheint wie ihre männlichen Vorgänger, die kompositorisch und zeichnerisch auf geschickte Weise mit ihrem Pferdeleib verbunden ist. Die Brustmuskeln des Pferdeleibes führen dabei die beginnenden Oberschenkel der Frauengestalt fort und deuten unaufdringlich ihre Schamgegend an. Der nackte Frauenkörper, die Brust und die Vorderbeine des Pferdes komponieren dabei eine eigene Figur und erotisieren diese auf eine subtile Art und Weise.
Gleichzeitig belässt es Holger Triltsch nicht bei der isolierten Darstellung der Figur der Zentaurin. Auf dem Rücken des Mischwesens sitzt ein Reiter (oder eine Reiterin?), dessen Charakteristik unbestimmt bleibt. Durch einen kompositorischen Trick aber, indem der Künstler den Kopf der Zentaurin genau dort platziert, wo der Betrachter den Kopf des Reiters verorten würde, verschmelzen beide Figuren geradezu zu einer Symbiose. Diese „Dreieinigkeit“ aus Reiter, Pferd und Frauenfigur ist dann voll von Symbolen mit stark metaphorischen Kräften: Die Peitsche und die Reiterstiefel lassen sich durchaus auch als Zähmung oder Züchtigung lesen, die Trauben am Ende der Peitsche – gierig begehrt von der Zentaurin - erinnern an die süßen verführerischen Früchte aus einer bekannten Fabel oder die alttestamentarische Symbolik für das Gelobte Land.
Eine weitere Metaphorik liefert der Bildhintergrund: die Gestalt der Himmelswolken, die flüchtig an Engelsflügel erinnern, geben der Figurengruppe nahezu etwas Heiliges. Und die rauhe Meeresküstenlandschaft verweist sicher nicht grundlos auf Landschaften der Romantik und des Phantastischen Realismus.
So verweist der Künstler Holger Triltsch mit seinem Bildnis „Die Zähmung der Zentaurin“, das sich zwischen der Kunst der „Alten Meister“ und der Bildwelt des Phantastischen Realismus zu bewegen scheint, einerseits auf manifeste Metaphern der Kunstgeschichte, stellt diese aber andererseits mit seiner zentralen Figur der Zentaurin auch gleichzeitig in Frage. Gelingt die Zähmung des Triebhaften, des Unbezähmbaren? Oder ist Triltschs Zentaurin eine Hymne an das Widerspenstige?
So wie die Interpretation der Zentauren aus der griechischen Mythologie als unbeherrschtes und lüsternes Volk und der als das Triebhafte und Unbezähmbare im Menschen durch die Psychologie im Unentschieden bleibt, so bleibt auch die Zentaurin im Bild von Holger Triltsch im Ungefähren, zwischen der Femme Fatal und dem Triebhaften.
Wenn die Reiterfigur als das Vernünftige gelesen wird, stellen sich am Ende durchaus die Fragen: Wozu braucht ein Pferd einen Bezähmer? Und was ist der Reiter ohne sein Ross?” (Mai 2021, Gunnar Kollin) /
Biography:
Jahrgang 66, aufgewachsen in Falkensee bei Berlin
seit der Schulzeit Beschäftigung mit Malerei, Zeichnung und Fotografie
1984 bis 1989 Mitarbeit in der Künstlergruppe „Keine Art“
Realisierung verschiedener Kunstbuchprojekte
1989 während des Studiums Eröffnung der „1. Unabhängigen Galerie Halle“
1992 Umzug nach Potsdam, später Werder/Havel
ab 1998 Mitarbeit in der Künstlergruppe „Salon Visionell“
verschiedene Ausstellungen und Ausstellungsbeteilungen in Potsdam, Brandenburg, Hamburg und Wien
2004 Werkschau in Falkensee mit Gunnar Kollin
2012 Personalausstellung in Brandenburg
2010 bis 2016 Beschäftigung mit Fotografie und Karikatur
ab 2016 Rückkehr zu Malerei und Zeichnung
2020 Zeichnungen für die CD „Mäander“ der Band „MöbiusBænd“
2021 Artbox. Project World 1.0, Zürich, Halbfinalist